Geschichte des Vereins und des Museums

Geschichte des Vereins "Freunde Sinsheimer Geschichte" e.V.

(ChF) Die Geschichte des Vereins ist untrennbar mit der Geschichte des Museums verbunden. Als Karl Wilhelmi 1830 seine "Gesellschaft zur Erforschung der vaterländischen Denkmale der Vorzeit" gründete, einen der ersten Geschichtsvereine Süddeutschlands, ahnte er noch nicht, dass sich diese Tradition der Geschichtserforschung und der stadtgeschichtlichen Sammlungen in Sinsheim bis in die heutigen Tage fortsetzen würde. Karl Wilhelmi gilt unter Fachleuten als der Begründer der modernen Archäologie in Süddeutschland. Aus seinem altehrwürdigen Verein gingen die heutigen "Freunde Sinsheimer Geschichte" e.V. hervor. Seine bedeutende archäologische Sammlung übergab er kurz vor seinem Lebensende der großherzoglichen Kunstsammlung Karlsruhe, die dann wiederum Teil der Sammlung des Badischen Landesmuseums wurde. In den Kriegszeiten ruhte die Museums- und Vereinstätigkeit.

Im Sommer 1946 begann der ehemalige Heidelberger Stadtbibliothekar Georg Zink, nun Sinsheimer geworden,  mit dem Aufbau einer stadtgeschichtlichen Sammlung in Sinsheim und regte die Gründung eines Vereins „Freunde Sinsheimer Geschichte“ und eines Heimatmuseums an.

Die Vereinsgründung erfolgte dann zusammen mit der Museumsgründung am 20.08.1946. Die Gründungsmitglieder sind auf einem Foto aus dem Jahre 1954 zu sehen. Es sind neben dem Bürgermeister und dem Landrat die Honoratioren der Stadt. Die Gründung des Vereins ist unmittelbar mit der Gründung des Stadtmuseums verbunden. Im Aufbau der Sammlungen für das Museum sah der Verein seine vordringliche Aufgabe. Gesammelt wurde alles. Bald konnten erste Räumlichkeiten am Kirchplatz (Würfel-Theater) für das Museum genutzt werden, bis endlich in der Bahnhofstraße 2 unterm Dach über dem Grundbuchamt Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt wurden. Mit dem Umzug des Rathauses in die Wilhelmstraße 1973 war das Alte Rathaus frei und so konnte hier das städtische Museum eingerichtet werden, welches bis 1990 ehrenamtlich vom Verein geführt worden ist. Erste Vorsitzende des Vereins waren Georg Zink, Philipp und Hans Kullmer bis 1977. Dann übernahm Manfred Hütter den Vorsitz. Während seiner Zeit wurde u.a. die Handwerksabteilung des Museum wesentlich erweitert und seine Adventsschoppen mit historischen Vorträgen waren sehr beliebt. Seit 1989 stand Werner Töniges dem Verein vor. Wertvolle Teile aus der Sammlung Wilhelmis vom Badischen Landesmuseum Karlsruhe kamen als Dauerleihgabe zurück in das Stadtmuseum Sinsheim.  Der Verein kaufte unzählige museale Gegenstände aus seinen Mitteln an und Sinsheimer Bürger spendeten dem Verein historisch wertvolle Zeitzeugnisse und Gegenstände für das Museum. Werner Töniges setzte sich im Gemeinderat für ein professionell geführtes Museum ein. So wurde im November 1989 eine Stelle ausgeschrieben für einen Stadtarchivar und Museumsleiter. Diplomkulturwissenschaftler Holger Friedrich wurde diese Aufgabe ab 1. März 1990 zuteil. Sein Ziel war, das Museum historisch und didaktisch zu überarbeiten. Seine neue Museumskonzeption fand im Gemeinderat großen Anklang. Zunächst hieß es, die historischen Forschungen voranzutreiben. Das war nicht leicht, denn durch die Kriegs- und Notzeiten waren wichtige Unterlagen zur mittelalterlichen Stadtgeschichte verloren gegangen. Die Forschungen von Holger Friedrich ergaben, dass Sinsheim eine Hochburg der deutschen Demokratiebewegung von 1848/49 war und dass vom Alten Rathaus wichtige Impulse einer demokratischen Erneuerung ausgingen, die sich aber damals noch nicht durchsetzen konnten. Seine Ausstellung über den in Sinsheim geboren Protagonisten der Demokratiebewegung, Franz Sigel, fand 1992 großen Anklang. Im Laufe der Jahre wurden alle Räume, bis auf die Handwerksabteilung neu gestaltet und alle interessanten Schwerpunkte der Sinsheimer Stadtgeschichte konnten dargestellt werden. Von den vielen Ehrenamtlichen, die das Museum weiterhin unterstützten sei stellvertretend Gerhard Pratsch genannt, der jeden Mittwoch ins Museum kam, um die Museumsbibliothek zu führen oder Restaurierungsarbeiten durchzuführen. Abendveranstaltungen und Ausstellungseröffnungen im Museum wären ohne den tatkräftigen Einsatz der Ehrenamtliche gar nicht denkbar. Auch Exkursionen und Vorträge wurden vom Verein organisiert. Christine Friedrich war seit 1990 ehrenamtlich im Verein aktiv und begann ihre hauptamtliche Tätigkeit im Museum 1992. Seit 2000 war sie Stellvertreterin des 1. Vorsitzenden Werner Töniges und ist 1. Vorsitzende des Vereins seit März 2006. 

Mit dem Ausbau des Museums und der historischen und didaktischen Aufarbeitung der Sinsheimer Geschichte wurden parallel neue Projekte und Veranstaltungen des Geschichtsvereins gestartet. Es bildeten sich Arbeitsgruppen. So wurde 1992 anlässlich einer Ausstellungseröffnung zum Gedenken an Franz Sigel eine Performance aus Szenen und Liedern zur Demokratiebewegung von 1848/49 aufgeführt. Der große Erfolg mit insgesamt 14 Vorstellungen beflügelte das Theaterteam. Aus diesen Akteuren ging das Friedrich-Hecker-Theater hervor, welches Holger Friedrich leitet. Aus seiner Feder stammen auch über zehn Theaterstücke, die sich alle mit der großen Geschichte beschäftigen, in der sich im Mikrokosmos der Sinsheimer Stadtgeschichte widerspiegelt.... Die von Holger Friedrich geschriebenen Theaterstücke brachten die spannende Sinsheimer Historie einem breiten Kreis der Bevölkerung nahe, auf eine bis dahin nicht gekannte Art und Weise. Die erfolgreichsten Szenen sind jetzt auf Monitoren, die der Verein gesponsert hat, im Stadtmuseum zu sehen.

Ein Höhepunkt war sicherlich das große Freiheitsfest mit der Einweihung des "Denkmals für die Freiheit" vor dem Historischen Rathaus 1998. Das Denkmal entstand auf Initiative von Holger Friedrich und mit Spenden des Vereins und der Sparkasse. Auf dem Denkmal sind die Köpfe der wichtigsten Sinsheimer Demokraten von 1848/49 zu sehen.  

Seit 2008 gibt der Verein die "Sinsheimer Geschichtsblätter- Jahrbuch für Geschichte und Kultur" heraus, deren 4. Ausgabe im November 2015 erschien. Treibende Kräfte des Redaktionsteams waren Holger und Christine Friedrich. Zum Arbeitskreis gehörten die leider verstorbenen Vereinsmitglieder Werner Töniges, Rolf-Peter Thomas und Barbara Stejskal.

Ein Kleinod Sinsheimer Kaufmanngeschichte ist der Lichdi-Laden von Vereinsmitglied Wolfram Glück, welcher oftmals in der Weihnachtszeit im Bürgersaal des Stadtmuseum ausgestellt wird. Wolfram Glück steht dann persönlich täglich bei seiner alten Ladenkasse, was von den Besuchern sehr gut angenommen wird.

Der Verein leistete auch hervorragende Jugendarbeit. Die Sonntagsdienste des Museums wurden von 1994-2018 von jugendlichen Vereinsmitgliedern durchgeführt und aus der Vereinskasse bezahlt. Die Jugendlichen an eine ihrer ersten verantwortungsvollen Aufgaben heranzuführen war ein besonderes Anliegen von Christine Friedrich.

Seit 2002 führt der Verein Stadt- und Burgführungen auf der Burg Steinsberg durch und bereichert somit das kulturelle Angebot der Stadt. Außerdem vertritt der Verein die Stadt Sinsheim beim Mannheimer Maimarkt, im Rundfunk und Fernsehen oder bei überregionalen Veranstaltungen z.B. in Karlsruhe. Die hervorragende Zusammenarbeit von Museum und Verein wurde mehrfach ausgezeichnet u.a. vom Regierungspräsidium Karlsruhe, vom Ministerpräsidenten Baden-Württembergs und vom Bundespräsidenten und der Bundeskanzlerin zum Tag der Deutschen Einheit 2009.

Der Sinsheimer Geschichtsverein hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einem lebendigen Ort der Begegnung und der Geschichtsvermittlung entwickelt. Hier wird bürgerschaftliches Engagement gelebt. Alle Veranstaltungsreihen des Stadtmuseums werden durch Ehrenamtliche unterstützt. Allen Unterstützern, Sponsoren und Ehrenamtlichen gilt unser besonderer Dank! Denn wie sagte schon Karl Wilhelmi: "Nur aus der Kräfte schön vereintem Streben - erhebt sich wirkend erst das wahre Leben."