Was war los? Aktuelles

Wir sind Kraichgau!

18.10.2019 - Nachbetrachtung vom Vortrag von Prof. Dr. Kurt Andermann - Inhaber des Lehrstuhls für Mittelalterliche Geschichte und Abteilung Landesgeschichte - Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

 

Am Freitag abend bekamen die Sinsheimer dank der Museumsleitung einen tollen Vortrag zum Thema "Der Kraichgau - eine Landschaft dazwischen" zu hören. Es ging in diesem Vortrag um die Begrifflichkeit des "Kraichgaus", seine Ersterwähnung im frühen Mittelalter - sein Zuordnung aus geografischer aber auch aus historischer Perspektive. Die zahlreichen Zuhörer- der Bürgersaal war bis auf den letzten Platz besetzt - erfuhren wie der Kraichgau im Laufe der Jahrhunderte immer wieder zwischen den umliegenden "Großmächten" wie die Kurpfalz, das Erzdiozöse Speyer, Baden, Württember und Franken bis zum Ende des alten Reichs hin und her gerissen wurde. Eine Landschaft dazwischen eben - wie der Titel des Vortrags schon versprach.

Der "Kraichgau" als ein Landschaftsbegriff konnte sich im Laufe der Jahrhunderte trotzdem erhalten - vor allem dank des für diese Region typischen kleinteiligen "unabhängigen" Ritteradels. Die rd. 50 Zuhörer im Bürgersaal erfuhren unter anderen auch warum Sinsheim schon seit fast 570 Jahren als "im Kraichgau liegend" bezeichnet wird. Warum unser gesprochener "Sinsemer Dialekt" zum fränkischen Dialektraum gehört und eben nicht zum Schwäbischen. Und warum die Autobahn bei Heilbronn den Neckar überquert und nicht bei Bad Wimpfen (weil die Wimpfener es nie geschafft hatten ihr durch eine Naturkatastrophe zerstörte Neckarbrücke im Hochmittelalter wieder aufzubauen).

Die wichtigste Erkenntniss dieses Abends war aber die Aussage des renomierten Historiker Prof. Dr. Kurt Andermann - und das am Vorabend des Sinsheimer Heimattagejahr 2020 - dass unser Sinsheim ohne Zweifel genau im Zentrum des Kraichgau liegt, was darauf schließen lässt, dass wir Sinsheimer uns zurecht als waschechte "Kraichgauer" bezeichen dürfen.

Einen herzlichen Dank auch an unseren ehrenamtlichen Mithelfern Marita, Wiltrud und Klaus, die durch die Ausgabe von Wein, Sekt und Knabberzeug - der von den Verein "Freunde Sinsheimer geschichte e.V" bereitgestellt wurde diese schönen Abend noch abrundete.

28.09.2019 - Schloss Neuenstein – Von Mauserei bis Meuchelmord - Nachbetrachtung

 

„Die Freunde Sinsheimer Geschichte e.V.“ haben ihre Freundschaft gepflegt. Am 28. September ging der erste Ausflug nach Neuenstein, ins benachbarte Hohenlohe. Nach einer Stärkung mit Brezel vorm prächtigen Schloss, das Harry Potters Hogwarts durchaus Konkurrenz machen könnte, ging es in den Renaissance-Bau der Grafen von Hohenlohe-Neuenstein. Bereits im Waffensaal staunten die 23 Ausflügler aus Sinsheim nicht schlecht. Da gab es Hundepanzer für die Jagd zu bewundern, filigran gravierte Prunkwaffen und auch das „Haustier“ der Hohenlohe war nicht weit: der Phönix in Form einer hängenden Schmuckfigur mit dem Familienmotto „ex flammis orior“. Dann ging es weiter in die verwinkelten Schlossgemächer. Wer würde nicht gerne auf den handgeschnitzten barocken Schlitten eine lustige Fahrt unternehmen? Ein Raum beeindruckte die Sinsheimer Besucher ganz besonders. Die Hohenlohe hatten einen eigenen Karl Wilhelmi. Ende des 18. Jahrhundert war es Hofrat Hansselmann der jenseits des Limes Spuren der römischen Antike aus der Erde holte. Zahlreiche Grabungsfunde und Zeichnungen von ihm zeigte Schlossführer Hallacek in einem Raum. Im Rittersaal und der Schatzkammer der Hohenlohe beeindruckten Elfenbeinschnitzereien und prachtvolle Ausstattungsgegenstände.

Nach einer gemeinsamen Einkehr in der „Goldenen Sonne“ stärkte man sich für den „kriminellen“ Teil des Tages. Im Schloss ist ebenfalls das Hohenlohe-Zentralarchiv untergebracht. Archivmitarbeiter und Buchautor Jan Wiechert zeigte den Geschichtsfreunden nicht nur die gut verborgenen Gänge voller Archivalien, sondern nahm die Gruppe mit auf die Führung „Von Mauserei und Meuchelmord“. Er erklärte wie Recht gesprochen wurde in der Vergangenheit und dass es ein ganz wichtiges Privileg der Herrschaft war. Dementsprechend gab es Rituale, Sitzordnungen und auch besondere Ordnungen wie der zum Tode Verurteilte zum Richtplatz geführt wurde. Das Schaurige dabei, der Schulchor führte den Zug mit kirchlichen Gesängen an. Doch so häufig wurde nicht gehängt, in Langenburg im Übergang vom 17. zum 18. Jahrhundert, über einen Zeitraum von 80 Jahren kein einziges Mal. Die Gruppe gruselte dennoch ein wenig als sie ein echtes Corpus Delicti von Nahem betrachten durften: das so genannte „Sperrnagel“-Messer, ein 500 Jahre altes Brotmesser, mit dem ein anderer zu Tode kam. Das tragischste Stück, das sich im Archiv in einer Akte erhalten hat, ist ein Strumpfband, mit dem eine verzweifelte Mutter 1725 ihr Neugeborenes erdrosselte.

Diese spannende Exkursion ist ein gelungener Neustart für unseren Verein, wir haben natürlich vor unsere Exkursionen weiter zu entwickeln und vor allem auch in der näheren Umgebung interessante Ziele zu entdecken um lange Anfahrtszeiten zu vermeiden und wenn möglich auch barrierefreie öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen. Ein Ausflugsplan für 2020 finden man auch auf dieser Seite. Der Termin für den nächsten Ausflug steht schon fest.

Für den 10.11.2019 ist die nächste Exkursion geplant, die „Weißenhofsiedlung - Stuttgarter Stadtgeschichte(n)“ - ganz im Sinne des in diesem Jahr stattfindenden 100jährigen Gründungsjubiläum des Bauhauses in Weimar. Aus der Bauhauskultur entstand einer der wichtigsten deutschen Stilepochen, die auch bei uns in Baden-Wüttemberg ihre Spuren hinterlassen hat. Alle Mitglieder und "Bauhaus-interessierte" Kraichgauer sind ganz herzlich dazu eingeladen - Informationen finden sie auf unserer Web-Page. 

Grüße Jens Töniges, „Freunde Sinsheimer Geschichte e.V.“

Unsere Veranstaltungsmanagerin Marita Hesch beim Sekt-Verkauf auf dem Fohlenmarkt

Sonntag, 02.06.2019  Tag des offenen Museums zum Fohlenmarkt 2019

Ihr wolltet schon immer mal wissen, wie es ist, mit dem Federkiel zu schreiben, so wie es die Menschen vor hunderten von Jahren getan haben? Oder wie wäre es mit einem selbst gefertigten Lederbeutel für Eure Schätze? Kein Problem: Das Stadtmuseum bietet zum diesjährigen Fohlenmarkt am Sonntag, 2. Juni 2019, ein abwechslungsreiches pädagogisches Angebot sowohl für die Großen, als auch für die Kleinen. Natürlich hat auch die Dauerausstellung für die Besucher*innen geöffnet und bietet die Möglichkeit, in die turbulente Stadtgeschichte Sinsheims einzutauchen.

22.04.2019 Zwischenstopp Reihen

Brian Hartzell aus der USA sucht seine Vorfahren

Um 1655 kommen Hans Heinrich Hirtzel und seine Frau Maria, geb. Steiner, mit 5 Kindern aus der Gemeinde Pfäffikon, Züricher Gebiet, nach Reihen, vermutlich im Zusammenhang mit der Einladung der von Venningen an Schweizer Einwohner, beim Wiederaufbau des Kraichgaus nach den Verwüstungen  des 30jährigen Kriegs zu helfen. Für die meisten der Nachfahren dieses Ehepaars Hirtzel-Steiner ist Reihen nur ein Zwischenstopp. Schon 1727 wandern sie nach Amerika weiter.

Brian Hartzell, ein Treuhänder des Ohio Chapter Palatines to America, und seine Frau Terry gingen nun den umgekehrten Weg, wieder ein kurzer Zwischenstopp in Reihen, wo sie von Georg Grittmann sachkundig durchs Dorf geführt wurden. Zuvor hatten sie sich im Stadtarchiv Sinsheim das früheste dort vorhandene Dokument zu Reihen angeschaut, ein Schatzungsregister von 1713. So erfuhren sie, dass die Hirtzels aus wirtschaftlichen Gründen auswanderten, denn sie gehörten eher zu den weniger bemittelten Einwohnern. Auch erfuhren sie aus dem Kirchenbuch Reihen, dass die Mutter der Auswanderer, Anna Maria geb. Sünther, die Witwe von Clemens Hirtzel, 24 Jahre lang in Reihen als Hebamme tätig gewesen war und mehr als 400 Kinder „empfangen“ hatte.

Die entsprechenden Unterlagen hatte Frau Wiltrud Flothow, ein Mitglied und Beirätin des Sinsheimer Geschichtsvereins, mit Unterstützung von Frau Rottschäfer (Leiterin Museum und Stadtarchiv) und Frau Zwickel (Archiv) vorbereitet. Frau Flothow recherchierte für das Ehepaar Hartzell viele interessante Daten zu ihrer Familiengeschichte, betreute sie während ihres Zwischenstopps in Sinsheim und dolmetschte für sie.

Freitag, 24.05.2019, "Mein Vetter, der Räuber"

Zwölf Einbrüche und Diebstähle, vier Straßenraube und ein Raubmord wurden Friedrich Philipp Schütz, besser bekannt als Mannefriedrich, zur Last gelegt. Ein Räuberleben vor 200 Jahren war aber oft weit entfernt von der romantischen Vorstellung des schneidigen Räuberhauptmanns und seinen Kumpanen. Wie wurde man zum Gesetzlosen und was bedeutete das Vagabundenleben? Der Autor Werner Becker, ein entfernter Verwandter des armen Teufels, zeichnet nicht nur die Biographie eines einfachen Lebens im 19. Jahrhundert. Ob Räubernamen, Steckbriefe oder Verhörprotokolle - mit viel Feingefühl und auch Humor nimmt er den Leser und Zuhörer auf eine spannende Zeitreise in die Vergangenheit.

03.04.2019 Entwicklung Sinsheims aus der Vogelperspektive

Siegfried Daubenschmidt hat über viele Jahre die Entwicklung Sinsheims mit Fotos aus dem Segelflugzeug und dem Motorsegler beobachtet und fotografisch dokumentiert. Insbesondere die starken Veränderungen der Stadt und der Landschaft sind Thema des Vortrags. Vereinsmitglieder und Gäste können sich über eine spannende Präsentation in ansprechenden Ambiente des Wirths-Hauses (bekannt als ehemaliger Bastelwirth) in der Grabengasse 3 freuen. Anmeldung ist nicht erforderlich. Eintritt ist frei. Spenden für den Verein sind wünschenswert.